Wirtschaft Archives - GoAustralia https://goaustraliatours.com/category/leben-in-australien/wirtschaft/ Für potenzielle Australienauswanderer (oder -einwanderer - je nach Perspektive) Tue, 22 Mar 2022 09:29:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 https://i0.wp.com/goaustraliatours.com/wp-content/uploads/2018/01/cropped-GoAustralia-1.png?fit=32%2C32&ssl=1 Wirtschaft Archives - GoAustralia https://goaustraliatours.com/category/leben-in-australien/wirtschaft/ 32 32 140197780 Immobilienbesessenheit – der australische Traum https://goaustraliatours.com/der-australische-traum/ https://goaustraliatours.com/der-australische-traum/#respond Tue, 22 Mar 2022 05:47:36 +0000 https://goaustraliatours.com/?p=3901 Der "Australische Traum" - mehr als drei Viertel der Australier betrachten Wohneigentum als Kern des australischen Lebensstils.

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Wenn man aus einem zentraleuropäischen Land kommt, wird man vielleicht die vielen Immobilienmakler wie RayWhite, The Professionals, LJHooker etc. bemerken, die in Australien an fast jeder Ecke zu finden sind. Weiterhin ist das Thema Hauseigentum und Immobilienpreise nahezu täglich in den australischen Medien zu finden.

Die Australier lieben es, über Immobilien zu sprechen, sei es beim Familiengrillfest, beim Abholen in der Schule oder in der Büroküche. Eine Studie der HSBC-Bank aus dem Jahr 2019 hat ergeben, dass Australier mehr Stunden mit dem Immobilienmarkt als im Fitnessstudio oder beim Gespräch mit ihren Eltern verbringen.

Das eigene Haus

Die Gründer Australiens waren der Meinung, dass Australien besser sein sollte als das Vereinigte Königreich. Sie wollten eine Gesellschaft, die nicht nach Klassen geteilt ist. Kurz gesagt, sie wollten Chancengleichheit für alle. Sie waren der Ansicht, dass die Trennlinie, an der die Spaltung am stärksten ausgeprägt war, der Besitz von Eigentum war. Daher sollte jeder die Möglichkeit haben, das Haus, in dem er lebte, zu besitzen.

In den englischen Städten verhinderten die Grundbesitzgesetze und die riesigen kirchlichen Ländereien, dass viele Menschen jemals ein eigenes Grundstück besaßen. Dies war in Sydney und Melbourne nicht der Fall.

Vor allem in Melbourne kam es in den 1850er Jahren zu einer rasanten Aufteilung des Landes, die in Verbindung mit dem Goldrausch zur Entstehung von Elendsvierteln führte.

Bevor 1856 in Südaustralien das allgemeine Wahlrecht für Männer eingeführt wurde, war Landbesitz ein Weg, um eine Stimme im politischen Prozess zu erlangen. Diese Linie setzte sich auch dann fort, als die Kolonien aufhörten, die Eigentumsvoraussetzungen für das Wahlrecht anzuwenden.

Das haben die Australier bis heute beherzigt, unter anderem in Kulturklassikern wie “The Castle“. In dem Film prangert ein Hausbesitzer, Darryl Kerrigan, ein großes Unternehmen an, das sein Haus kaufen will. Vor Gericht erinnert er daran, dass ein Haus nicht nur aus Ziegeln und Mörtel besteht, sondern auch aus Erinnerungen an ein gemeinsam aufgebautes Leben. Es ist darüber hinaus ein Ort, an dem man sich seine Zukunft vorstellen kann.

Foto von Häusern mit viel Garten und grün um die Häuser herum
Der australische Traum vom eigenen Haus

Eine Umfrage der Australian National University ergab, dass immer noch mehr als drei Viertel der Australier Wohneigentum als Teil des australischen Lebensstils betrachten. Viele Menschen hier denken weiterhin, dass es einen erst zu einem vollwertigen Bürger macht, wenn man ein eigenes Haus oder eine Wohnung besitzt.

Foto von dicht aneinandergereihten Wohnhäusern ohne Grundstück drumherum
Die Verwirklichung des eigenen Hauses weicht nicht selten von dem Wunschtraum ab
Viel Arbeiten für die eigenen vier Wände

Allerdings sind die Hauspreise viel schneller gestiegen als die Einkommen. Vor einigen Jahrzehnten betrug der Preis für ein normales Haus nur das Zwei- oder Dreifache des Durchschnittseinkommens. Jetzt ist es bis zum Zehnfachen des Durchschnittseinkommens gestiegen, zumindest in Sydney. Für junge Australier ist es heutzutage viel schwieriger, ein Haus zu kaufen, und es dauert jetzt bis zu 10 Jahre, nur um eine Anzahlung zu leisten.

Eine Studie eines Soziologen der La Trobe University in Melbourne ist betitelt “Nobody’s Home”. Der Name deutet darauf hin, dass es sich, wenn die Soziologen an der Tür klingelten, um sie nach ihren Häusern zu fragen, aller Wahrscheinlichkeit nach um Paare handelte, die Vollzeit (oder auch mehr) arbeiteten, um die Hypothek für ein Haus zu bezahlen, in dem sie kaum Zeit verbringen. Auch wenn der australische Traum vom Wohneigentum immer noch eine sehr lebendige Hoffnung in den Köpfen vieler Menschen ist, gibt es immer mehr vor allem junge Menschen, die im Moment nur sehr schwer erkennen können, wie sie ihn verwirklichen wollen.

Zersiedelung der Städte

Der australische Traum vom Eigenheim in Verbindung mit einer wachsenden Bevölkerung führt auch zu einer rasanten Ausbreitung der Städte. Die Stadtränder werden durch die Freigabe erschwinglicher Grundstücke und durch große Wohnviertel erweitert. Wenn man sich mit dem Flugzeug einer der großen australischen Millionenstädte nähert, wundert man sich als Europäer, wie lange man über die besiedelten Stadtteile fliegt, bis man zur Landung ansetzt.

Beispielsweise ist Melbourne etwa dreimal so groß wie London und hat dabei nur ein Drittel der Bevölkerung. Melbourne besitzt keine feste, dauerhafte Stadtgrenze. Seit 2006 wurden mehr als 50 Vororte an Melbourne angebaut. Von dem Grasland, das sich vor der Ankunft der Europäer über Melbourne bis an den westlichen Rand Victorias erstreckte, ist heute nur noch 1 % übrig.

Wohneigentum ist der große australische Traum. Doch trotz des Rückgangs, der immer wieder in den Schlagzeilen zu lesen ist, strebt die Mehrheit der Australier immer noch nach einem eigenen “Land and castle”.

Wohnraum als Mittel, um Vermögen anzuhäufen

Die 80er Jahre waren eine Zeit struktureller Veränderungen im Bereich des australischen Wohneigentums. Die Finanzindustrie wurde dereguliert. Haushalte mit zwei Einkommen waren die Norm, wodurch Hypotheken leichter zu bekommen waren. Auf steigende Zinssätze folgten drastisch fallende Zinssätze.

Die Veränderungen bei der Verfügbarkeit und den Kosten von Finanzierungen hatten vor allem für den Wohnungsmarkt große Auswirkungen. Vor der Deregulierung war das Wohnungswesen auf Eigenheimbesitzer ausgerichtet. Immobilieninvestoren, die ein Bankdarlehen aufnahmen, mussten einen erheblichen Zinsaufschlag auf ihre Darlehen zahlen.

Mit der Angleichung der Zinssätze verschoben sich jedoch die Ziele für den Erwerb von Wohneigentum. Häuser wurden zunehmend wegen ihres Tauschwerts gekauft – sie wurden als Hebel eingesetzt, um Vermögen anzuhäufen. Immer mehr Menschen investierten in Wohnraum, einschließlich ihres eigenen Wohnraums, um Vermögen anzuhäufen. Dies hat in den 1990er und 2000er Jahren weiter zugenommen.

Immobilienpreise Weltspitze

Aufgrund einer Vielzahl von Faktoren (niedrige Zinsen, eifrige Investoren, Steuererleichterungen und ausländische Investitionen, um nur einige zu nennen) sind australische Immobilien inzwischen zu den wertvollsten der Welt geworden. Eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern in Sydney ist mehr wert als ein renoviertes Schloss aus dem 13. Jahrhundert mit neun Zimmern und 7 500 Quadratmetern Parklandschaft in Frankreich.

Diejenigen, die ihr Geld in den 1990er Jahren in Wohneigentum investiert haben, konnten phänomenale Renditen erzielen. Im Jahr 1993 lagen die Durchschnittswerte für Häuser und Wohnungen in Australien bei 111.524 $ bzw. 123.840 $. Bis zum Jahr 2018 verzeichneten Häuser einen Wertzuwachs von 412 % und Wohnungen von 316 %. Unter Annahme der gleichen prognostizierten Wachstumsrate geht ein Bericht davon aus, dass Häuser in Sydney bis zum Jahr 2043 im Durchschnitt mehr als 6,3 Millionen Dollar wert sein werden, während Immobilien in Melbourne mit 5,8 Millionen Dollar nicht weit dahinter liegen.

Rekordtiefe Zinsen haben die australischen Immobilienpreise im Jahr 2021 um 22 Prozent in die Höhe getrieben – der stärkste Anstieg in drei Jahrzehnten.

Erschwinglichkeit von Wohnraum sinkt

Mit dem Anstieg der Immobilienpreise ist auch ein Anstieg der Verschuldung einhergegangen. Dies bringt das Risiko finanzieller Instabilität mit sich, wenn die Kreditnehmer nicht in der Lage sind, die Schulden zu bedienen. Zugleich ist die Erschwinglichkeit von Wohnraum in Australien seit Anfang der 1980er Jahre weitgehend zurückgegangen und hat sie sich stärker verschlechtert als in anderen vergleichbaren Ländern. Laut einer Erhebung über die Erschwinglichkeit von Wohnraum aus dem Jahr 2021 liegt der Median des Verhältnisses zwischen Hauspreisen und jährlichem Einkommen in den Großstädten Australiens beim 7,7-fachen, verglichen mit dem 4,8-fachen im Vereinigten Königreich und dem 4,2-fachen in den USA. In Sydney ist es das 11,8-fache und in Melbourne das 9,7-fache.

Das Verhältnis von Hauspreisen zu Einkommen und Mieten liegt im Vergleich zu den langfristigen Durchschnittswerten am oberen Ende der OECD-Länder.
Auch wenn die Zinssätze auf einem Rekordtief liegen, hat der Preisanstieg im Verhältnis zu den Einkommen dazu geführt, dass sich auch das Verhältnis der Schulden der privaten Haushalte zum Einkommen in den letzten 30 Jahren fast verdreifacht hat. Australien ist damit vom unteren Ende der OECD-Länder an das obere Ende gelangt.

Dies erschwert Erstkäufern den Einstieg in den Immobilienmarkt erheblich. Die Verschlechterung der Erschwinglichkeit führt auch zu einer zunehmenden Vermögensungleichheit.

Und die Wohnungspolitik der Regierungen spiegelt die Interessen derjenigen wider, die bereits Eigentümer sind. Und deren Interesse ist es nicht, dass die Immobilienpreise fallen …

Quelle: ANUpoll on Attitudes to Housing Affordability

Immobiliengewerbe ist “Big Business” in Australien

Um den australischen Traum zu verwirklichen oder mit Immobilien das Vermögen zu vergrößern, benötigt man in der Regel die Dienste eines Immobilienmaklers. In Australien wurden im Jahre 2021 um die 600.000 Häuser und Wohnungen verkauft. In Deutschland waren es hingegen im Jahre 2020 bei einer rund 3,3 fachen Bevölkerung rund 752.300 Verkäufe!

Verdienst mit Provisionen und Gebühren

Mit durchschnittlich zwei bis drei Prozent des Verkaufspreises sind die zu erzielenden Provisionen ein starker Anreiz bei dem Geschäft mitzumachen. Die zwei- bis dreiprozentige Provision beinhaltet in der Regel auch nicht die Werbekosten. Dies können je nach Tarif und Platzierung der Anzeigen schon mehrere hundert bis tausende von Dollar betragen. Vor allem bei teureren Immobilien kann es auch eine Staffelung der Provisionen geben. So kann man beispielsweise 2,5 % für die ersten 850.000 $ und danach 10 % erhalten. Dies stellt einen weiteren Anreiz für jeden Makler dar.

Auch Vermieter nutzen Makler

Und wenn man sich den australischen Traum vom Eigenheim nicht leisten kann, muss man mieten. Auch dazu benötigt man meist die Dienste eines Immobilienmaklers (bzw. Vermietungsmaklers). Ein Vermietungsmakler managt in der Regel den Vermietungsprozess, d. h. er vermarktet die Immobilie, zeigt sie den Mietern und besetzt schließlich die freie Stelle. Sobald ein Mieter einen Mietvertrag unterzeichnet hat, ist die Arbeit des Maklers abgeschlossen. Danach hat man mit dem Immobilienverwalter zu tun. Viele Vermietungsmakler übernehmen jedoch auch die Immobilienverwaltung. Vermietungsmakler erhalten in der Regel eine Gebühr in Höhe einer Monatsmiete für die Vermittlung eines Mieters. Wenn der Makler die Immobilie dann weiter verwaltet, fällt in der Regel eine Gebühr von 10 bis 15 % der Monatsmiete an.

Dabei ist der Kunde des Maklers nicht der Mieter, sondern der Immobilieneigentümer. An dieser Stelle wird einem immer bewusst, wie geringwertig Mieter von Immobilienmaklern daher oft angesehen werden, die auf ihr Einkommen angewiesen sind.

Jeder Mieter kennt eine Horrorgeschichte (wir auch) – Makler, die überhöhte Reparatur- und Reinigungskosten von Kautionen fordern; überraschende Zwangsräumungen; Makler, die Reparaturanfragen ignorieren, während eine Immobilie buchstäblich um ihre Mieter herum verkommt. Aber nur ein Bruchteil der Mieter reicht einen Antrag bei einem Gericht ein. So ein Antrag kostet Zeit und Geld, das die meisten Menschen nicht haben. Und auf einem gefährlich angespannten Mietmarkt haben die Mieter Angst, sich zu beschweren. Jedem kann jederzeit gekündigt werden. Und bei einer Neuvermietung, gibt es dann eben wieder eine neue Provision.

Viele Immobilienmakler wollen die Immobilie nur so schnell wie möglich verkaufen oder vermieten und die Provision kassieren. Dabei sind einige lediglich ein dem eigentlichen Makler unterstellter Verkäufer mit geringerer Ausbildung und Qualifikation.

Gemäß der Präsidentin des Real Estate Institute of NSW (REINSW), Leanne Pilkington, hat ein Barista, der einen 4-Dollar-Kaffee verkauft, oft eine bessere Ausbildung als ein Immobilienmakler, der ein 4-Millionen-Dollar-Haus verwaltet. Man kann in nur drei Tagen eine Lizenz zum Gelddrucken erhalten, um als Immobilienmakler zu arbeiten …

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Made in Australia https://goaustraliatours.com/made-in-australia-2/ https://goaustraliatours.com/made-in-australia-2/#respond Thu, 08 Oct 2020 03:43:47 +0000 https://goaustraliatours.com/?p=3427 Made in Australia - in Australien allgegenwärtig. Aber welche Bedeutung hat das einst florierende produzierendes Gewerbe heute?

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In Deutschland hatten wir einen Filmprojektor der Marke ‘Hanimex’. Dies ist die Kurzform für Hannes Import Export, welcher in Australien Kameras, Objektive und andere Fotoausrüstung vertrieb. Obwohl die Projektoren nicht “Made in Asutralia” wurden, gab es in unserem Haushalt eine australische Marke. Das einzige andere australische Produkt, an das ich mich erinnern kann und das wir später regelmäßig kauften, war Rotwein.

If you had asked anyone those days about Australia, you would have received an answer which possibly contained words like kangaroo, koala, Sydney, crocodile, snake, Ayers Rock, convict, barbecue, steak or Quantas. But the name of anything made in Australia?

Wenn man damals jemanden nach Australien gefragt hätte, hätte die Antwort möglicherweise Wörter wie Känguru, Koala, Sydney, Krokodil, Schlange, Ayers Rock, Sträfling, Barbecue, Steak oder Quantas enthalten. Aber keiner kannte Produkte, die in Australien hergestellt wurden.

Aussie, Aussie, Aussie

Australier glaubten (und glauben immer noch), dass “Australian Made” ein Ausdruck für Qualitätsprodukte ist. Und dieses Gefühl wurde von der Industrie stark gefördert. Als ich 1993 zum ersten Mal nach Australien kam, konnte man überall alle Arten von Logos sehen – oft mit einer australischen Flagge – die den australischen Ursprung maßgeblich herausstellten. Für mich war das nicht leicht nachzuvollziehen.

Es war (und ist zum Glück immer noch) mehr oder weniger undenkbar, dass man in Deutschland auf so vielen Produkten die deutsche Flagge platzieren würde. Besonders zusammen mit Aussagen wie ‘stolz deutsch’, ‘im Besitz von Deutschen’ oder ‘In deutschem Besitz und stolz darauf’. In den ‘1000 Jahren’ zwischen 1933 und 1945 wurde das Deutschtum so stark nationalistisch zu Geltung gebracht, dass es für weitere 1000 Jahre reicht. Darüber hinaus frage ich mich auch, was Menschen anderer Länder sagen würden, wenn sie heute solche Aussagen auf deutschen Produkten finden würden.

Logos of Made in Australia in the 90s
Logos von “Made in Australia” in the 90zigern

And since then, Australia has even extended it’s labelling of “Made in Australia”.

Und seitdem hat Australien die Kennzeichnung ‘Made in Australia’ sogar noch erweitert.

Herkunftskennzeichnung für in Australien verkaufte Lebensmittel

2016 hat die australische Regierung ein Gesetz eingeführt, nach dem Lebensmittelunternehmen den Prozentsatz der australischen Zutaten angeben müssen sowie, ob das Produkt in Australien erzeugt, hergestellt oder angebaut wurde. Infolgedessen müssen die meisten Lebensmittel in Australien jetzt eine entsprechende Angabe enthalten. Diese Regelung betrifft jedoch hauptsächlich die ‘Australianness’ von Produkten und sagt nicht über die Herkunft der wichtigsten importierten Zutaten.

Variations of country of origin labels (golden kangaroo in triangle)
Variationen der Herkunftsbezeichnungen

Darüber hinaus können Lebensmittelunternehmen behaupten, dass ihr Produkt in Australien hergestellt wird, wenn das Lebensmittel nur in Australien verarbeitet wird. Das heißt aber nicht unbedingt, dass die Zutaten tatsächlich aus Australien stammen. Z.B. Hersteller, die vollständig importiertem Schweinefleisch in Australien nur Salzwasser hinzufügen, können als “Made in Australia” bezeichnen

In einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter mehr als 20.000 Abonnenten von CHOICE gaben fast alle Befragten an, dass es für sie wichtig sei, zu wissen, woher die von ihnen gekauften Lebensmittel und Getränke stammen. Wenn eine Herkunftsbezeichnung auf Lebensmitteln ‘Hergestellt in Australien aus 0 % australischen Zutaten’ angibt, macht es meiner Meinung nach schon einen Unterschied, woher die Zutaten stammen.

“Made in Australia”-Kampagne und Zolltarife

Auch Non-Food-Unternehmen bewerben ihre Produkte immer noch regelmäßig als “Made in Australia” oder stellen heraus, dass ihre Firma im Eigentum von Australiern sei. Sie hoffen, dass dies bei Australiern zur Unterstützung australischer Produzenten und somit zur Steigerung des Umsatzes führen wird.

Neben der Kennzeichnung wurde die Herstellung von Gütern in Australien durch protektionistische Zölle erheblich unterstützt. Das machte australische Produkte gegenüber Importen billiger und damit wettbewerbsfähiger. Infolgedessen erreichte die australische Produktion hinter diesen Zollschranken in den 60er Jahren ihren Höhepunkt. Zum Beispiel hatte die Autoindustrie ein Zollniveau von über 200 Prozent. Das Schutzniveau war auch in den 1970er und 1980er Jahren immer noch hoch.

Ich war sehr überrascht, als ich die exorbitanten Preise für importierte Autos sah, als ich 1993 zum ersten Mal nach Australien kam. Ein VW Golf z.B. war in Deutschland ein Standardauto, das weitgehend erschwinglich war. Hier in Australien war es ein Luxusartikel.

Aber die Zolltarife waren ein zweischneidiges Schwert. Der Effekt war nicht nur, dass importierte Produkte teurer waren, sondern auch, dass die Preise für australische Produkte über ein ‘normales’ Wettbewerbsniveau stiegen und die Inflation in die Höhe trieben. 1974 wurde die Marke von 15 % überschritten. Dementsprechend mussten die Australier für minderwertige lokale Produkte einen hohen Preis zahlen. Normalerweise sollten Zollschranken im Laufe der Zeit allmählich verringert werden, da Unternehmen lernen, miteinander zu konkurrieren, ihre Produktivität zu verbessern und sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Aber das ist nicht passiert.

Eher hatten die Produzenten das Gefühl, auf einer Insel der Glückseligen zu leben, und waren geschickt darin, politisch immer höhere Zölle durchzusetzen.

Zollsenkungen wirkten sich destruktiv aus

Ende der 80er und Anfang der neunziger Jahre kehrte Australien seine Politik um und baute Zollschranken weitgehend ab. Für das verarbeitende Gewerbe war es verheerend. Die Branche war dem Wettbewerbsdruck ausgesetzt, einige gingen bankrott und andere ins Ausland. Das verarbeitende Gewerbe in Australien schrumpfte von rund 30 Prozent auf rund 6 Prozent des BIP. In den späten 1980er Jahren war das verarbeitende Gewerbe mit 16,5 Prozent der Belegschaft der größte Arbeitgeber in Australien. Mittlerweile arbeiten weniger als 1 Million Menschen in der Branche, was 6,4 Prozent der Arbeitsplätze entspricht.

Graphic: Manufacturing share of GDP in Australia

Australiens umfangreiche Bodenschätze sowie andere Primärprodukte wie die Landwirtschaft machen jetzt etwa drei Viertel seiner Warenexporte aus. Mit anderen Worten Australien gräbt seine Rohstoffe einfach aus dem Boden und schickt sie dann in andere Länder. Dort werden sie anschließend zu Mehrwertprodukten verarbeitet, die Australien danach wieder einführt.

 Das Ende der Automobilproduktion in Australien

Im Oktober 2017 wurde in Australien die letzte Autofabrik dichtgemacht. Nach 100 Jahren Autoherstellung in Australien schloss der australische Außenposten von General Motors, Holden, seine Türen. Vor Holden hatten bereits Ford, Toyota und Mitsubishi die Produktion von Autos in Australien eingestellt. Nicht nur der harte internationale Wettbewerb musste dafür verantwortlich gemacht werden, sondern auch, dass die Hersteller die Änderung des Käuferverhaltens nicht sahen.

Der australische Verbraucher bevorzugte lange Zeit 6- und 8-Zylinder-Limousinen wie den Holden Commodore mit einer Corvette V8 und den Turbo Ford Falcon. Dann stiegen der SUV und sparsamere Fahrzeuge mit kleineren Motoren in der Beliebtheitsskala – und lokale Hersteller und ihre brüllenden Motoren wurden von den Einkaufslisten der Käufer gestrichen.

Im Februar 2020 wartete Holden mit weiteren traurigere Nachrichten auf für alle, die Fans von großen V8-Motoren, massiven Burnouts und gelegentlichen Utes sind: Holden wird den Laden 2021 dichtmachen. Vertrieb, Design und Engineering für die Marke werden vollständig eingestellt, was den letzten Schlag für die Automobilindustrie dieses Landes darstellt. Ein von GM angegebener Grund war, dass sie die Herausforderungen der Investitionen nicht bewältigen konnten, die für den stark fragmentierten Markt für Fahrzeuge mit Rechtslenkung erforderlich sind.

Abhängigkeit von Importen

Die wirtschaftlichen Shutdowns infolge der Coronavirus-Pandemie hat die Verwundbarkeit der australischen Handelswege deutlich gemacht. Die Abhängigkeit von Industriegütern aus dem Ausland und insbesondere die übermäßige Abhängigkeit Australiens von Lieferungen aus China wurden deutlich.

Im Juni oder Juli konnte man bei großen Einzelhändlern wie K-Mart, Target oder sogar JB-Hifi das Gefühl bekommen, dass sie kurz vor der Aufgabe standen. In den Regalen klafften große Lücken, was nahezu alle Arten von Waren betraf. Sogar Ausstellungsstücke waren weg. Und jetzt im Oktober ist die Situation nicht viel besser. Viele Produkte sind einfach nicht verfügbar oder es dauert Wochen, bis man sie bekommen kann. Das erinnert mich an Zeiten, als ich ein Teenager war, als viele Produkte generell nur auf Bestellung verfügbar waren und man ebenfalls wochenlang auf die Lieferung warten musste.

Scheinbar australische Produkte

Infolgedessen wird auch deutlich, dass es unechte, angeblich „Australian Made“ -Produkte gibt.

R.M. Williams zum Beispiel kann als australische Warenikone angesehen werden. Die Firma hat eine ziemlich lange Geschichte in der Herstellung hochwertiger Schuhe, insbesondere von Chelsea-Stiefeln (locker sitzende, knöchelhohe Stiefel mit elastischer Seitenwand), aber auch von Reitstiefeln und anderen. Ich habe selber zwei Paar Stiefel von R.M. Williams und ich liebe sie.

Auf der R.M. Williams-Webseite bekommt man den Eindruck, dass ihre Produkte in Australien hergestellt werden, aber das ist nicht immer der Fall. Außer Stiefel und Lederwaren werden die meisten anderen Produkte von R. M. Williams außerhalb Australiens produziert, hauptsächlich in China und Südostasien. Und R.M. Williams gehört nicht einmal mehr Australiern. Im Jahr 2014 erwarb das Luxusmodehaus Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) R.M. Williams.

Auch andere bekannte australische Schuhhersteller wie Blundstone und Baxter Boots stellen noch einige Stiefel in Hobart und Goulburn her. Die meisten werden jetzt jedoch in China, Vietnam und Indien produziert. Blundstone hat auch eine Fabrik in Mexiko für den nordamerikanischen Markt eröffnet.

Und was könnten die Zukunftsaussichten sein?

In diesen Covid-19-Zeiten sprechen viele Leute davon, die Produktionsbasis Australiens wiederherzustellen, die es einmal hatte. Dies würde aber wieder in großem Umfange Zollschranken erfordern. Und das wäre nicht billig. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze Australiens in erster Linie beeinträchtigen, weil die Zölle wie eine Steuer auf die Bevölkerung wirken würden. Man muss sich nur die USA heute oder die Zeiten der protektionistischen Ära Australiens ansehen.

Australien ist der weltweit größte Exporteur von Gas und Kohle. Daher betrachtet die derzeitige nationale Regierung Kohle und Gas als das Hauptmittel für die Erholung der von COVID-19 betroffenen Wirtschaft und auch für die Versorgung mit billiger und zuverlässiger Energie. Meiner Meinung nach ist dies kein wirklich nachhaltiger Weg. Der Rückgang des Kohleverbrauchs in China und das Vorgehen gegen die Umweltverschmutzung dort lassen auf düstere Aussichten für Kohle- und Gasexporteure wie Australien schließen. Die australische Industrie könnte jedoch von einem Schwenk hin zu sauberen und umweltfreundlichen Technologien profitieren.

 Australien – eine Supermacht für erneuerbare Energien

Australien hat eine lange Küste, intensiven Sonnenschein, eine stabile Gesellschaft und zuverlässige Regierungen. Daher wäre es ein ideales Land, um weltweit führend bei großflächigen und kostengünstigen Infrastrukturen und Energiespeichern für erneuerbare Energien zu werden. Australien könnte eine Supermacht für erneuerbare Energien werden. Das Wachstum dieser Branche erfordert jedoch staatliche Unterstützung und eine gut konzipierte, parteiübergreifende Politik, die langfristig Bestand hat. Kurzfristige politische Unterstützung wird nicht ausreichen, um eine so florierende Branche zu schaffen. Aber es gibt immer noch viele Leute, die sagen: ‘Nein, wir müssen unseren kohlebefeuerten Strom behalten.’ Ich bin der Meinung, dass Australien diese kulturelle Auseinandersetzung um den Klimawandel überwinden und diese einmalige Gelegenheit nutzen muss.

Eine weitere Option wäre die Förderung von Innovationen mit Forschungs- und Entwicklungsanreizen. Es wurde schon einmal gemacht. Und innovative Produkte erfordern hochqualifizierte Arbeitskräfte. Dies sind vor allem die Arten von Produkten, die andere Länder mit niedrigeren Löhnen einfach nicht nach dem gleichen Standard produzieren können.

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